Der Aufruf. An Euch. An uns selbst.

In allen Groß- und Mittelstädten, vielen Kleinstädten, ja selbst auf Dörfern haben sich Menschen zusammengefunden, die gegen die Not so vieler in diesem Land kämpfen.

Menschen, die sich um aktive Nachbarschaft bemühen, die sich in Erwerbslosengruppen und in der Flüchtlingshilfe zusammenfinden, die sich um Alte kümmern oder die als Rentnerinnen und Rentner ihr Wissen zur Verfügung stellen. Menschen, die kaputte Elektrogeräte reparieren oder gebrochene Lebenslinien wieder ganz machen wollen.

Mieterinitiativen haben sich gebildet, um gegen hohe Mieten und die Übernahme ihres Viertels durch Immobilienkonzerne zu kämpfen. Netzwerke in den Kirchengemeinden sind entstanden, um Geflüchteten Kirchenasyl zu gewähren oder die Armen- und Altenarbeit zu verbessern.

Es haben sich aus der konkreten Arbeit heraus Theatergruppen gebildet, es wird Musikunterricht für Kinder und Jugendliche gegeben,  es entsteht Literatur, und der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt erstarkt wieder. Die Arbeit gegen Armut ist oft auch zu einer kulturellen Arbeit geworden. Das hat uns bewogen mit diesem Vorschlag an Sie heranzutreten.

An die Initiativen und die Menschen, die in ihnen aktiv sind, richtet sich der Aufruf also vorrangig, aber nicht nur an sie.

Denn die Arbeit vieler Bürgerinnen und Bürger gegen Armut, Ausgrenzung im Alter, gegen marode Schulen und mangelnde Gesundheitsversorgung, für Geflüchtete und für die Integration von Kindern mit Behinderungen, der Kampf um höhere Löhne, ausreichende Sozialunterstützung, um Krippenplätze und anständige Renten gehören zusammen.

Wir bitten Sie deshalb:

Vernetzen Sie sich und die Initiativen, in denen Sie arbeiten, auch über Ihre Stadt hinaus. Lassen Sie uns ein starkes Netzwerk bilden. Lassen Sie uns die Politik in diesem Land verändern. Nachhaltig und vollständig. Denn eine gute Welt ist möglich.
Und jene, die noch nicht in Gruppen vor Ort arbeiten bitten wir: Werden Sie aktiv in den Gruppen vor Ort, wenn Sie es noch nicht sind.

Die großen Demonstrationen überall in Europa haben gezeigt: Bürger treten ein für ihre Interessen. Vierzigtausend haben teilgenommen an der Demonstration #ausgehetzt in München. Zig Tausende haben in Polen für die Demokratie demonstriert. In Paris haben Zehntausende gegen die Verarmung und den Abbau von Arbeitnehmerrechten demonstriert.

Wir schlagen Ihnen allen vor, die folgenden Forderungen zu diskutieren. Das Ziel sollte es sein mit den Forderungen in alle demokratischen Parteien, also CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne und DIE LINKE zu wirken.

  • Neubau von 400.000 dauerhaft gebundene Sozialwohnungen
    pro Jahr für die nächsten 10 Jahre
  • Kostenfreie Krippen- und Kindergartenplätze mit kurzen Anfahrtswegen
  • Einstellung von 40.000 Pflegepersonen für Heime und Krankenhäuser
  • Mindestsicherung (anstelle von Hartz IV) von 1250 Euro ohne Sanktionen
  • Eine bundesweite gemeinsame Aktion von Bund und Ländern
    für die Sanierung der Schulen
  • Eine Mindestrente von 1250 Euro
  • Ein Bleiberecht für alle Geflüchteten und Migranten,
    die seit 5 Jahren ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben
  • Kein Kasernieren von Flüchtlingen
  • Keine Abschiebungen in gefährliche Regionen und Länder, wie z.B. Afghanistan.

Selbstverständlich müssen wir über diese Forderungen reden. Diskutieren Sie sie in ihrem Umfeld. Diskutieren Sie, wie die Forderungen finanziert werden können.

Wir sollten ein Europa der Regionen wollen. Ein Europa, in dem es überall gesellschaftliche Bestrebungen gegen Armut und für Demokratie gibt, ein gutes Europa in einer guten Welt.

Natürlich kann es sein, dass wir niemanden erreichen. Es kann ein Schlag ins Wasser sein. Aber wenigsten haben wir dann versucht, das ruhige Wasser des Sees aufzuwühlen.

Wir brauchen eine bessere Welt.

Wir müssen die Ressentiments gegen „das Fremde“ ebenso besiegen, wie wir die soziale Kälte, die Armut und die Not besiegen müssen. Auch hier, im reichen Deutschland. Tausende chromblitzende Autos der Oberklasse rollen täglich vom Band, während es Familien gibt, alleinerziehende Eltern auch, die zum Monatsende nicht mehr wissen, wovon sie das Essen bezahlen sollen, die Stromrechnung und das Gas, deren Kinder kaum Geburtstagsgeschenke bekommen und die Weihnachten leer ausgehen. In den Schulen fällt der Putz von den Wänden, während Prachtbauten für Konzerne errichtet werden. Kleine und mittlere Unternehmen sind in ihrer Existenz durch den Internethandel bedroht, der kaum Steuern bezahlt und darum Vorteile in der Preisbildung hat.

Das macht Deutschland und Europa kaputt – und zerstört die Solidarität der Menschen untereinander.

Wir sollten uns deshalb im kommenden Jahr besprechen. Und uns dabei auch fragen wie wir eine Vernetzung europaweit schaffen können – über die Sprachgrenzen hinweg. Vielleicht sind Initiativen in Hamburg, Berlin, Köln oder anderswo bereit, einen Bürgerratschlag im kommenden Frühjahr auszurichten. Wir alle sollen unsere Forderungen gemeinsam diskutieren und erarbeiten.

Bitte unterstützen Sie diesen Aufruf und helfen Sie mit, eine gute Welt zu schaffen.

Wir, die Aufrufenden, sind Künstler*innen. Aber wir sind seit Jahren aktiv, in Initiativen, Bewegungen, in der Gewerkschaft. Manche von uns kennen Armut und wissen wie es ist, als Hartz-IV-Empfänger vor den Schaltern staatlicher Drangsalierungsanstalten zu stehen.

Wir sind:

  • Zoë Beck, Schriftstellerin (Mitglied des PEN)
  • Marianne Blum, Schauspielerin
  • Hermann O. Ehlers, Fotograf
  • Peter H. Gogolin, Schriftsteller (Mitglied des PEN)
  • Per Ole Heidorn, Musiker
  • Axel Hegmann, Künstleragent
  • Vladi Krafft, Maler
  • Karsten Krampitz, Schriftsteller, Historiker
  • Katharina Kretschmer, Malerin
  • Manfred Maurenbrecher, Schriftsteller Liedermacher (Mitglied im PEN)
  • Heinrich Peuckmann, Schriftsteller (Mitglied des PEN-Präsidiums)
  • Marlene Pfaffenzeller, Schriftstellerin, Psychiaterin
  • Guido Rohm, Schriftsteller (Mitglied im PEN)
  • Jutta Schubert, Regisseurin Schriftstellerin (Mitglied im PEN)
  • Christa Schuenke, Schriftstellerin (ehem. Präsidium des PEN)
  • Leonhard F. Seidel, Schriftsteller (Mitglied des PEN)
  • Gabriele Senft, Fotografin
  • Leander Sukov, Schriftsteller (Initiator) (Mitglied des PEN)
  • Imre Török, Schriftsteller (ehem. Bundesvorsitzender des VS*, Mitglied des PEN)
  • Frank Viehweg, Liedermacher, Lyriker
  • Arwed Vogel, Schriftsteller (Vorsitz. des VS* in Bayern)

*Verband deutscher Schriftsteller*innen